Auch wenn die Mode und die Musik teilweise etwas schräg war – in den 80ern war nicht alles schlecht. Ganz im Gegenteil – das Jahrzehnt startete schon einem Highlight: Zenza Bronica brachte 1980 nämlich die SQ-Serie auf den Markt. Ich bin zwar kein Nutzer der ersten Stunde, aber ich hatte Glück und konnte vor einiger Zeit auf einer Foto-Börse eine Zenzi ergattern. Mit diesem Artikel möchte ich die Bronica SQ-Serie vorstellen und die Unterschieden zwischen den Modellen beschreiben.

1| Zenza Bronica SQ

Die SQ ist dabei ähnlich wie die Hasselblad 500er Serie eine Modular aufgebaute 6x6 Rollfilm Spiegelreflex-Kamera. Neben den Objektiven kann daher auch die Mattscheibe, der Sucher und das Filmrückteil ausgetauscht werden. Die Möglichkeit das Rückteil zu wechseln ist besonders praktisch. Besitzt man mehrere Rückteile, so kann auch mit analogen Film beispielsweise zwischen Filmen mit unterschiedlichen ISO gewechselt werden. Bei den ganz alten Rückteilen ist allerdings Vorsicht geboten: Der Dark-Slide lässt sich bei den alten SQ-Modellen auch dann herausziehen, wenn das Rückteil nicht an der Kamera angeschlossen ist.

Wie schon die von Bronica zuvor eingeführte ETRS-Serie verfügt auch die SQ-Serie über einen elektronischen Verschluss von Seiko. Damit sind Belichtungszeiten von 1/500 bis zu 8 Sekunden möglich. Soll noch länger belichtet werden, so muss auf den T-Modus gewechselt werden, bei dem die Blende so lange offen Bleibt, bis der Schalter am Objektiv wieder von T auf A geschoben wird.

Über eine PC-Sync-Buchse kann auch ein Blitz an die Kamera angeschlossen werden, der aufgrund des Zentralverschlusses bei allen Belichtungszeiten synchronisiert werden.

Für den elektronischen Verschluss braucht die Kamera eine 6V PX28A Batterie. Ist die Batterie leer oder falsch eingelegt, dann löst die Kamera immer mit 1/500 sec aus. Das kann leider dazu führen, dass man zu spät merkt, wenn die Batterie leer ist. Immerhin kann der Ladezustand der Batterie mit einem Knopf an der Seite und einer LED im Sucher überprüft werden. Mein Tipp: Wird der Verschluss ausgelöst, so leuchtet die LED der Kamera einmal kurz auf, wenn die Batterie noch Spannung hat.

In der Basis-Ausführung kommt die Kamera mit einem Schachtsucher mit Lupe zur besseren Schärfebeurteilung. Mit diesem Sucher gibt es keinen integrierten Belichtungsmesser. Es gibt allerdings auch Modelle mit Prismen-Sucher, so dass die Bronica SQ auch als TTL-Kamera eingesetzt werden kann. Damit der Prismen-Sucher die Belichtung richtig berechnet wird am Rückteil über ein Einstellrad der ISO-Wert des Films eingestellt.

2| Zenza Bronica SQ-A

Doch bei dem ersten Modell “Zenza Bronica SQ” sollte es nicht bleiben. Das Modell wurde schon 1982 durch den Nachfolger “Zenza Bronica SQ-A” abgelöst. Mit dieser Version wurde ein Auto-Exposure-Feature (TTL-Belichtungsmessung) zusammen mit dem neueren AE-Suchern eingeführt. Die AE-Sucher arbeiten daher auch nur mit den neueren SQL-Modellen (ab SQ-A). Die SQ-A bietet auch ein Mirror Lock-Up-Feature. Wer einmal den Auslöser der “Zenzi” betätigt hat, der weiß, dass das keine schlechte Idee war… 😉

Zu guter Letzt hat die Modellpflege dafür gesorgt, dass bei den Rückteilen jetzt der Dark-Slide nur dann herausgezogen werden kann, wenn das Rückteil an der Kamera montiert ist.

3| Zenza Bronica SQ-Am

Ab 1983 gab es eine neue Version: Die SQ-Am hatte einen fest integrierten Motor-Winder mit demder Film automatisch weitertransportiert wird nach der Aufnahme. Damit waren bis zu 2 Aufnehmen in 3 Sekunden möglich. Ein Manueller Filmtransport ist bei der SQ-Am nicht möglich.

4| Zenza Bronica SQ-Ai

Bei der Zenza Bronica SQ-Ai ist der Motor-Winder zwar nicht fest verbaut, aber es gibt ihn für diese Kamera als Zubehör. Über den SCA-Anschluss können auch entsprechende TTL-Blitze angeschlossen werden. Ausserdem kann mit der SQ-Ai eine Belichtungszeit von bis zu 16 sec eingestellt werden und es wurde dem Modell zusätzlich zum T-Modus auch ein Bulb-Modus spendiert. Im Gegensatz zu den anderen Kamera-Modellen der SQ-Serie müssen in die SQ-Ai vier  LR44-Batterien.

Außerdem wurden zusammen mit der SQ-Ai auch neue Rückteile rausgebracht (SQ-i). Die Position für das ISO-Wahlrad an den Rückteilen wurde geändert. Das Wahlrad ist bei diesen Modellen auf der Rückseite anstatt auf der Oberseite. Die ISO-Werte gehen bei den neueren Rückteilen dann auch bis 6400 und es kann teilweise auch eine Belichtungskorrektur von +/- 2 EV am Rückteil eingestellt werden,

Die Zenza Bronica SQ-Ai wurde ab 1990 eingeführt.

5| Zenza Bronica SQ-B

Die SQ-B ist eine abgespeckte Version der SQ-A und wurde ab 1996 gebaut. Bei dieser Version funktionieren die Belichtungsmesser der entsprechenden AE-Sucher nicht. Daher haben die SQ-B Rückteile auch kein ISO-Wahlrad und sind damit nur bedingt an SQ-A Kameras benutzbar.

Die SQ-B wurde wohl teilweise mit einem speziellen Objektiv dem Zenzanon PS/B 80 mm ausgeliefert. Dieses Objektiv unterstützt auch keinen T-Modus. Da das allerdings vom Objektiv abhängt, sollte der T-Modus mit anderen Objektiven problemlos funktionieren. Einen Bulb-Modus gibt es wie bei der SQ-A nicht und es kann auch kein Motor-Winder für den automatischen Film-Transport angeschlossen werden.

1995 übernahm der Objektivhersteller Tamron Bronica, nachdem der Gründer Zenzaburo Yoshino bereits 1988 verstorben ist. Im Oktober 2004 wurde die Produktion der Bronica SQ-Serie eingestellt. 2005 kam dann das endgpültige aus und es wurde die Produktion von anderen Zenza Bronica Kameras eingestellt.

6| Objektive

Bei den Objektiven gibt es zwei ebenfalls zwei Serien: Zenzanon-S und Zenzanon-PS. Beide Objektive lassen sich scheinbar an alle Kameras der SQ-Serie anschließen. Während bei den älteren Zenzanon-S Objektive die Blende nur in ganzen Blendenstufen verstellt werden kann, kann mit der neuen PS-Serie die Blende in halben Stufen eingestellt werden. Über die Qualität der Objektive liest man viel gutes und ich kann mich aus eigener Erfahrung eigentlich auch nicht beklagen. Mit meinem Zenzanon-PS 40mm f 1:4.0 und Zenzanon-S 80mm f 1:2.8 bin ich bisher sehr zufrieden. Aus den Anleitungen für die SQ-A und die SQ-Ai habe ich folgende Objektive gefunden:

6a| Zenzanon-S

Objektiv Linsen / Gruppen Bildwinkel (diagonal) Blende Naheinstell-grenze Filter-gewinde Gesamt-länge Gewicht f (Kleinbild äquivalent)
40mm f4 11 – 8 87° 4 – 22 0,4 m 95 mm 83 mm 660 g 21 mm
50mm f3.5 10 – 8 76° 3.5 – 22 0,5 m 67 mm 62 mm 560 g 28 mm
80mm f2.8 6 – 4 51° 2.8 – 22 0,8 m 67 mm 52 mm 470 g 45 mm
105mm f3.5 6 – 4 41° 3.5 – 22 0,85 m 67 mm 60 mm 540 g 58 mm
150mm f3.5 5 – 5 29°30‘ 3.5 – 22 1,5 m 67 mm 61 mm 590 g 85 mm
200mm f4.5 5 – 5 22°30‘ 4.5 – 32 2,5 m 67 mm 97 mm 740 g 105 mm
250mm f5.6 5 – 5 18° 5.6 – 32 3 m 67 mm 129 mm 870 g 135 mm
500mm f8 7 – 6 8 – 45 8,5 m 95 mm 255 mm 1.890 g 280 mm

In der S-Serie gibt es zusätzlich einen 2fach Telekonverter.

6b| Zenzanon-S Variogon

In der Zenzanon-S-Serie sind mir folgende Zoom-Objektive bekannt:

Objektiv Linsen / Gruppen Bildwinkel (diagonal) Blende Naheinstell-grenze Filter-gewinde Gesamt-länge Gewicht
75-150mm f4.5 15 – 13 53°30‘ –  30°06‘ 4.5 – 32 1,8 m
(0,25m Makro)
Series 9a
(Ø 93 mm)
152 mm 1.800 g
140-280mm f5.6 17 – 14 30°42‘ – 16°12‘ 5.6 – 32 2,5m
(0,76m Makro)
Series 9a
(Ø 93 mm)
221 mm 2.000 g

6c| Zenzanon-PS

Ab 1986 wurde die Zenzanon-S Serie durch die PS-Serie abgelöst. Dabei wurden unter anderem folgende Verbesserungen mit der PS-Serie eingeführt:

  • Es wurden mehrfach vergütete Linsen eingesetzt.
  • Das Linsendesign wurde überarbeitet und es wurden neue Linsenelemente und Linsengruppen verwendet.
  • Die mechanischen Teile wurden verbessert und es kann mit den PS-Objektiven in halben Blendenstufen abgeblendet werden.
Objektiv Linsen / Gruppen Bildwinkel (diagonal) Blende Naheinstell-grenze Filter-gewinde Gesamt-länge Gewicht f (Kleinbild äquivalent)
35mm f3.5 11 – 8 180° 3.5 – 22 0,28 m 32,5 mm 91 mm 960 g 19 mm
40mm f4 11 – 8 87° 4 – 22 0,4 m 95 mm 67,5 mm 650 g 23 mm
50mm f3.5 10 – 8 76° 3.5 – 22 0,5 m 77 mm 61,7 mm 590 g 28 mm
65mm f4 9 – 7 62,3° 4 – 22 0,6 m 67 mm 69,6 mm 665 g 35 mm
80mm f2.8 6 – 5 50,7° 2.8 – 22 0,8 m 67 mm 52 mm 490 g 45 mm
Macro 110mm f4 6 – 4 40° 4 – 32 0,66 m 67 mm 79 mm 685 g 80 mm
135mm f4 6 – 4 32,8° 4 – 32 1,0 m 67 mm 79 mm 755 g 76 mm
150mm f4 6 – 4 29,5° 4 – 32 1,5 m 67 mm 74 mm 750 g 85 mm
180mm f 4.5 9 – 8 24,7° 4.5 – 32 1,0 m 67 mm 96 mm 865 g 100 mm
200mm f4.5 7 – 5 22,8° 4.5 – 32 2,5 m 67 mm 107 mm 870 g 110 mm
250mm f5.6 7 – 5 18,2° 5.6 – 45 3,0 m 67 mm 150,2 mm 1.010 g 135 mm
500mm f8 11 – 10 9,2° 8 – 64 8,0 m 122 mm 307,5 mm 3.760 g 270 mm

In der PS-Serie gibt es zusätzlich zwei einen 2fach und einen 1,4fach Telekonverter.

7| Zubehör

Für die SQ-Serie gab es eine Vielzahl an Zubehör. Das meiste ist kompatibel zu den unterschiedlichen Modellen der SQ-Serie. Die größten Ausnahmen bilden die Bereits erwähnten AE-Sucher, die nur mit SQ-A, SQ-Am und SQ-Ai vernünftig zusammen arbeiten und der optionale Motor-Winder der für die SQ-Ai entwickelt wurde.

Ein interessantes Zubehör sind die Rückteile. Damit kann nämlich auch das Bildformat geändert werden. So gibt es beispielsweise nicht nur Rückteile im 6x6 Formet (für 120er und 220er Rollfilm), sonder auch für das kleinere 6x4,5 Mittelformat sind Rückteile unter der Bezeichnung 120J bzw. 220J erhältlich. Unter der Bezeichnung 135N gibt es auch Rückteile für normalen Kleinbildfilm. Ich persönlich finde das Rückteil 135W am interessantesten, weil es ein Bildformat von 55 x 24 mm. Mit einem normalen Kleinbildfilm können so Fotos im Format 2,3:1. Das 135W-Rückteil war seinerzeit nicht gerade günstig und ist daher heute auch nur noch selten zu bekommen. Zu guter Letzt gibt es auch ein Rückteil für Polaroid-Filme.

Die folgenden Bilder sind beispielsweise mit dem SQ-135W Panorama-Rückteil geschossen:

Wird ein Rückteil mit einer anderen Bildformat verwendet werden, so ist es ggf. nicht so einfach den richtigen Bildausschnitt zu wählen (insbesondere für da Panorama-Rückteil 135W). Damit aber auch hier die Bildkomposition passt gibt es natürlich Austauschmattscheiben für die unterschiedlichen Formate.

Wer die Kurbel an der SQ nicht mag, der kann sich auch einen Mechanischen Speed-Grip besorgen. Damit soll der Film schneller transportiert werden können. Ich persönlich bevorzuge die Kurbel. Wer also noch einen SpeedGrip braucht kann mir gerne ein Angebot unterbreiten…

Eine ziemlich vollständige Übersicht über das Zubehör findet sich in den Handbüchern der SQ-A und der SQ-Ai.

8| Bekannte Probleme und Lösungen

Die Kamera kann nicht ausgelöst werden.
  • Wenn der Auslöser gar nicht erst gedrückt werden kann ist vermutlich die Auslösesperre aktiviert. Zum Deaktivieren der Auslösesperre muss der Auslöser eine viertel Umdrehung gedreht werden.
  • Der Dark-Slide ist noch im Rückteil. Es kann erst ausgelöst werden, wenn der Dark-Slide aus dem Rückteil entfernt wurde.
  • Kamera ist nicht vollständig gespannt.
  • Wenn kein Film im Rückteil ist kann der Auslöser nur gespannt werden, wenn die Mehrfachbelichtung aktiviert wurde.
Das Objektiv lässt sich nicht vom Body abnehmen.
  • Da das Objektiv nur im gespannten Zustand abgenommen werden kann, ist zu prüfen, ob die Kamera vollständig gespannt ist.
Das Objektiv lässt sich nicht an die Kamera anschließen.
  • Prüfen ob sowohl Kamera als auch Objektiv gespannt sind. Sowohl am Objektiv als auch an der Kamera, muss der Spannhebel an der grünen Markierung sein. Ist er das nicht, so muss er ggf. Manuel in diese Position gebracht werden.
Die Belichtung der Bilder stimmt nicht und/oder die Belichtungszeit kann nicht angepasst werden.
  • Ist die Batterie leer oder falsch herum eingelegt, dann löst die Kamera immer mit 1/500 sec aus. Das führt in der Regel zu Unterbelichtungen. Daher sollte die Batterie geprüft werden.
  • Es kann vorkommen, dass die Batterie(n) zwar noch nicht ganz leer sind und beim Check die LED noch aufleuchtet, aber die Spannung nicht mehr ausreicht um den Zentralverschluss zu steuern. In diesem Fall wird ebenfalls auf die 1/500 sec genutzt. Wenn man auf Nummer sicher gehen will sollte vor jedem Einsatz also einmal mit einer längere Belichtungszeit ausprobiert werden, ob der Verschluss korrekt arbeitet.
Das Rückteil lässt sich nicht anschließen oder arbeitet nicht korrekt.
  • Beim Wechseln des Rückteils, sollte die Filmtransport-Kurbel vorher immer vollständig betätigt worden sein, damit die Kamera und das Rückteil synchron arbeiten.
Die Kamera kann nicht über die Kurbel gespannt werden.
  • Manchmal hilft es auch die kleine Kurbel am Magazin beispielsweise um einen Klick weiter zu drehen. Danach lässt sich die Kamera hoffentlich wieder wie gewohnt spannen.

9| Links