Gerade die neueren Versionen des Raspberry Pi eignen sich hervorragend um damit ein Home-Entertainment-System zu realisieren. Die Software der Wahl ist dabei Kodi (vorher XBMC) dass sich über die Jahre bereits etabliert hat. Damit kann sogar noch ein alter Röhrenfernseher zum SmartTV umfunktioniert werden. Es muss lediglich Kodi auf dem Raspberry installiert werden.

1| Mediacenter-Distributionen

Wenn der Raspberry Pi ausschließlich als Mediacenter fungieren soll, kann am einfachsten eine fertige Mediacenter-Distribution (z.B. OpenELEC, OSMC oder XBIAN) verwendet werden. Der Aufwand für die Einrichtung ist dabei minimal: Image runterladen, auf die Karte schreiben und Booten. In der Regel steht dann schon eine fertige Kodi-Umgebung zur Verfügung. Dabei sind die fertigen Mediacenter-Distributionen auf den Kodi-Betrieb optimiert, was zu Problemen führen kann, wenn der Raspberry auch noch andere Aufgaben übernehmen soll. Daher habe ich mich entschieden meinen Kodi auf einem standard Raspian Jessie Lite aufzusetzen.

2| Die Richtige Version auswählen

In den offiziellen Raspbian-Repository sind momentan leider nur die etwas ältere Version 15.2 oder die Beta-Version (17.0-Beta X) von Kodi verfügbar.  Die aktuelle, stabile Version von Kodi (Version 16.x) ist leider nur in einem 3rd-Party-Repository von pplware verfügbar.

Da ich ein halbwegs zuverlässiges aber auch aktuelles System haben möchte, verzichte ich auf Experimente mit Beta-Versionen. Das stretch-Repository ist somit raus. Da ich nach einer kurzen Recherche bisher nichts negatives über pplware gelesen habe, habe ich mich daher für die 16er-Version von pplware entschieden.

Hinweis: Auf die Grundinstallation von Raspbian Jessie Lite gehe ich hier nicht mehr ein.

Bevor mit der Installation begonnen wird, empfiehlt es sich ein Backup der SD-Karte anzulegen.

3| Kodi auf dem Raspberry

Also zunächst das Repository eintragen und den zugehörigen Schlüssel importieren:

echo 'deb http://pipplware.pplware.pt/pipplware/dists/jessie/main/binary /' | tee --append /etc/apt/sources.list.d/pipplware_jessie.list
wget -O - http://pipplware.pplware.pt/pipplware/key.asc | sudo apt-key add -

Danach kann Kodi wie üblich per apt-get installiert werden:

apt-get update && apt-get install kodi

4| Benutzergruppen

Anschließend muss sichergestellt werden, dass die Gruppe “input” existiert und der Standardbenutzer für Kodi in den entsprechenden Benutzergruppen ist:

addgroup --system input
addgroup --system kodi
usermod -g kodi kodi
usermod -a -G audio kodi
usermod -a -G video kodi
usermod -a -G input kodi
usermod -a -G dialout kodi
usermod -a -G plugdev kodi
usermod -a -G tty kodi
usermod -a -G users kodi

5| Device-Berechtigungen

Damit kodi später richtig läuft müssen die Berechtigungen für einige Devices angepasst werden. Deshalb werden zwei Config-Files für udev angelegt:

cat >> /etc/udev/rules.d/99-input.rules << EOF
SUBSYSTEM=="input",     GROUP="input",  MODE="0660"
KERNEL=="tty[0-9]*",    GROUP="tty",    MODE="0660"
EOF
cat >>  /etc/udev/rules.d/10-permissions.rules << EOF
# input
KERNEL=="mouse*|mice|event*",   MODE="0660", GROUP="input"
KERNEL=="ts[0-9]*|uinput",      MODE="0660", GROUP="input"
KERNEL==js[0-9]*,               MODE="0660", GROUP="input"

# tty
KERNEL=="tty[0-9]*",            MODE="0666"

# vchiq
SUBSYSTEM=="vchiq",             MODE="0660", GROUP="video"
EOF

6| Boot-Config

Anschließend muss sichergestellt werden, dass in der Datei /boot/config.txt ausreichend GPU-Speicher zugeordnet ist und die MPEG2 und VC1-Lizenzen für den Raspberry installiert sind:

# Sets the memory split between the CPU and GPU depending on Model
# The CPU gets the remaining memory.
gpu_mem_256=128
gpu_mem_512=160
gpu_mem_1024=256

# Add Licences for Hardware Support for MPG2 und VC1
decode_MPG2=<your_license_here>
decode_WVC1=<your_license_here>

Um ganz sicherzugehen kann die Aktivierung der der Hardware-Dekodierung zusätzlich wie folgt geprüft werden.

# vcgencmd codec_enabled MPG2
MPG2=enabled

# vcgencmd codec_enabled WVC1
WVC1=enabled

Wird hier für einen oder beide Codecs “disabled” angezeigt, dann ist vermutlich die falsche Lizenz in der Datei /boot/config.txt eingetragen

Da ich Kodi an einem alten Röhrenfernseher betreibe, muss ich in der config.txt zusätzlich noch sicherstellen, dass die Video-Ausgabe über den Composite aktiviert ist:

# uncomment for composite PAL
sdtv_mode=2

7| Autostart

Zu guter Letzt soll  beim Booten kodi direkt gestartet werden. Dazu muss in der Datei /etc/default/kodi lediglich der Eintrag “ENABLED=1” eingefügt und ggf. dein Eintrag “USER”  auf den Wert “kodi” abändern, sodass die Datei anschließend so aussehen sollte:

# Set this to 1 to enable startup
ENABLED=1

# The user to run Kodi as
USER=kodi

# Adjust niceness of Kodi (decrease for higher priority)
NICE=-5

Wenn alles passt, sollte nach einem Reboot kodi automatisch unter dem Benutzer kodi gestartet werden.  Im nächsten Teil gehe ich auf einige Anpassungen an der Kodi-Config ein, die ich vorgenommen habe.

8| Quellen