Bei der analogen Schwarzweiß-Fotografie wird das Licht über das komplette Farbspektrum auf dem Filmmaterial in unterschiedliche Grauabstufungen umgewandelt. Bei der Umwandlung kann es vorkommen, dass ein ein Bild mit hohen Farbkontrast (z.B. ein blauer Himmel mit grüner Wiese) im Schwarzweiß-Bild mehr oder weniger einheitlich grau wird, wenn die Helligkeitsunterschiede (in diesem Beispiel zwischen Himmel und Wiese) zu gering sind. Mit Farbfiltern kann gezielt Einfluss auf die Graustufenumwandlung genommen werden. Die Farbfilter bei analoger SW-Fotografie können verwendet werden, um unterschiedliche Objekte mit ähnlicher Helligkeit aber verschiedenen Farben im Schwarzweißbild unterschiedlich Hell darzustellen. So können gezielt Kontraste erhöht und/oder Objekte freigestellt werden. Dabei gilt grundsätzlich die Regel, dass ein Farbfilter die eigene Farbe bevorzugt durchlässt, während die Komplementärfarbe mehr oder weniger stark herausgefiltert wird.

Information vorab: In diesem Artikel werden die Anwendungsgebiete für Farbfilter in der Analog-Fotografie erläutert. In der Digitalfotografie werden Farbfilter in der Regel nicht benötigt. Hier kann in der Nachbearbeitung sehr genau Einfluss auf die Schwarzweiß-Umwandlung genommen werden.

Die Eigenschaften der unterschiedlichen Farbfilter werden im Folgenden zusammengefasst:

Grün- und Gelbfilter werden in der Schwarzweiß-Fotografie am häufigsten verwendet, da das Filmmaterial die meisten Grautöne für die Abbildung der Farben Gelb und Grün verwendet. Die Änderungen fallen damit zwar weniger dramatisch aus, ermöglichen aber den gezielten Einfluss auf die wichtigen Grautöne. Das erklärt auch, warum es den Gelbfilter in unterschiedlichen Stärken (hell, mittel und dunkel) gibt. Bei der Anwendung der Filter gilt: je dunkler der Filter um so stärker der Effekt.

Farbdarstellung

Effekt mit Gelbfilter

» heller » heller » dunkler

Verlängerungsfaktor (ungefähr)

Filterstärke Filterfaktor Belichtungskorrektur
Hell 1 bis 2 0 bis +1 EV
Mittel 2 bis 3 +1 bis +1,5 EV
Dunkel 3 bis 4 +1,5 bis +2 EV
Gelbgrün 1 bis 3 0 bis +1,5 EV

Einsatzgebiete

Allgemein

  • Wirkt unterstützend, nicht verfremdend
  • Führt meist zu geringfügig höherem Kontrast
  • Holz wird heller dargestellt
  • Heller Gelbfilter
    • Wird als Universalfilter eingesetzt
  • Mittlerer Gelbfilter
    • Gut für Pflanzen- und Landschaftsfotografie
  • Dunkler Gelbfilter
    • Kräftiges, überzeichnetes Rot wird besser durchzeichnet
    • Ideal für See- und Schneelandschaften
  • Gelbgrünfilter
    • Ähnlicher, etwas stärkerer Effekt wie dunklem Gelbfilter bei geringerem Filterfaktor
    • Kann im Gegensatz zum dunklen Gelbfilter zusätzlich auch Reflektionen mindern

Landschaft

  • Blau des Himmels wird dunkler, Wolken werden kontrastreicher aber nicht so dramatisch wie beim Orange-/Rotfilter
  • Pflanzengrün wird kontrastiert, Grün-Abstufungen werden feiner
    • Gelbe Blüten werden bei dunklem Filter ggf. weiß
    • Dunkler Filter gut für rote Blüten
  • Kontraststeigerung (insbesondere bei tief stehender Sonne)
  • Dunst/Nebel wird minimiert (bessere Fernsicht)
  • Dunkler Gelbfilter macht Schneeaufnahmen brillianter
    • Details im Schnee werden sichtbar: deutliche Schattenzeichnung
    • Bei richtigen Sonnenstand tritt Glitzern stärker hervor

Portrait

  • Hautunreinheiten und Sommersprossen werden abgeschwächt
  • Teint wird heller und wirkt weicher
    • Daher mittlere/dunkle Filter bei heller Haut ggf. mit Bedacht einsetzen
    • Vorsicht bei Kombination von dunklen/mittleren Filtern mit Weichzeichnern
  • Dunkler Filter wird gerne in der Aktfotografie eingesetzt

Farbdarstellung

Effekt mit Orangefilter

» heller » dunkler » dunkler

Verlängerungsfaktor (ungefähr)

Filterstärke Filterfaktor Belichtungskorrektur
Orange 2 bis 5 +1 bis +2,5 EV

Einsatzgebiete

Allgemein

  • Führt zu hohem Kontrast im Bild mit grafischer/strenger Anmutung
  • Bevorzugt in Landschafts- und Architekturfotografie
  • Interessant für Fine-Art-Prints

Landschaft

  • Abdunkeln von blauen Himmel
  • Dramatischer Himmel bei Wolken
  • Grüntöne werden sehr dunkel(eher nicht für Wald oder Wiesen geeignet)

Architektur

  • Durch dunklen Himmel guter Kontrast zwischen Gebäuden und Himmel
  • Weiße Wände werde hervorgehoben
  • Glas und Metall wirken hart und streng

Portrait

  • Hauttöne werden im Verhältnis heller
  • Hautunreinheiten werden minimiert
  • Lippen werden heller dargestellt (Grün schminken kompensiert)
  • Hauttöne werden deutlich heller und von grünen Farben separiert(z.B. Aktfotografie: dunkler Körper vor hellem Hintergrund)
Der Einsatz von Rotfiltern ist nur dann sinnvoll, wenn der Film rotempfindlich ist. Daher eignen sich Rotfilter für alle panchromatische Filme, nicht jedoch für orthochromatische Filme. Die meisten Filme sind heute panchromatisch, so dass Rotfilter in der Regel eingesetzt werden können.

Farbdarstellung

Effekt mit Rotfilter

» heller » dunkler » dunkler

Verlängerungsfaktor (ungefähr)

Filterstärke Filterfaktor Belichtungskorrektur
Hell 4 bis 7 +2 bis +2,66 EV
Normal 7 bis 10 +2,66 bis +3 1/3 EV

Fokusverschiebung

Bei Rotfiltern ist ggf. eine Fokusverschiebung zu berücksichtigen. Um einen ausreichenden Schärfebereich zu bekommen, sollte nach Möglichkeit ein wenig abgeblendet werden. Zusätzlich sollte auf einen vorderen Punkt des Subjekts fokussiert werden.

Einsatzgebiete

Allgemein

  • Extreme Kontraste mit viel dunklen Grautönen und mit sattem Schwarz
  • Gelbe, grüne und rötliche Farben werden sehr schnell auf weiß umgesetzt
  • Wird bei natürlichem Licht mit hohem Rot-Anteil (also Morgens oder Abends) eingesetzt

Architektur

  • Heller Rotfilter wird gerne in der Architekturfotografie verwendet
  • Weiße Wände treten deutlich hervor
  • Himmel wird deutlich dunkler

Landschaft

  • Sehr dunkler Himmel mit kontrastreichen Wolken
  • Deutlich bessere Fernsicht, da Dunst und Nebel erheblich minimiert werden
  • Blattgrün wird dunkel
  • Landschaft im Sonnenschein wirkt wie bei Vollmond(mit normalen Rotfilter bei leichter unterbelichtung)

Portrait

  • Für Portraitaufnahmen weniger geeignet
    • Sehr helle, weichgezeichnete Haut(Vorsicht bei Kombination mit Weichzeichnern)
    • Lippen werden unnatürlich hell bzw. fast weiß

Farbdarstellung

Effekt mit Grünfilter

» dunkler » heller » dunkler

Verlängerungsfaktor (ungefähr)

Filterstärke Filterfaktor Belichtungskorrektur
Grün 2 bis 4 +1 bis +2 EV

Einsatzgebiete

Allgemein

  • Verhalten von der Tageszeit abhängig
    • Morgens und Abends: höhere Kontraste
    • Mittags: grüne Bereiche werden zu hellen Strukturen
  • Sorgen für korrekte Grauwertumsetzung bei Kunstlicht

Landschaft

  • Unterschiedliche Grüntöne werden besser separiert
  • Blau des Himmels wird ggf. leicht aufgehellt
  • Enthält der Filter einen blauen Anteil, so wird Dunst verstärkt

Portrait

  • Haut wird dunkler dargestellt bzw. betont braune Haut(gut z.B. bei leichten Gegenlicht)
  • Hautunreinheiten werden dunkler/hervorgehoben
  • Hauttöne werden dunkler und von grünen Farben separiert(z.B. Aktfotografie: dunkler Körper vor hellem Hintergrund)

Farbdarstellung

Effekt mit Blaufilter

» dunkler » dunkler » heller

Verlängerungsfaktor (ungefähr)

Filterstärke Filterfaktor Belichtungskorrektur
Blau 2 bis 5 +1 bis +2,5 EV

Einsatzgebiete

Allgemein

  • Kontraste werden reduziert(Bild wirkt etwas weniger scharf/knackig)
  • Starker Effekt bei Blitzlicht

Landschaft

  • Dunst und Nebel werden hervorgehoben/betont
  • Geringere Fernsicht, wodurch räumliche Wirkung gesteigert wird

Portrait

  • Natürlichere Wiedergabe von Hauttönen bei warmen Umgebungslicht
  • Hautunreinheiten, Narben und Venen werden verstärkt

Verlängerungsfaktor

Da Farbfilter immer irgendwelche Frequenzbereiche des Lichtes herausfiltern, kommt bei der Verwendung eines Farbfilters weniger Licht auf dem Film. Daher haben Farbfilter einen Verlängerungsfaktor (auch Filterfaktor), um den die Belichtung entsprechend verlängert werden muss. Üblicherweise geben die Hersteller einen Wert für den Verlängerungsfaktor an. Dieser Wert ist als Richtwerte zu verstehen, da der Verlängerungsfaktor unter anderem auch vom verwendeten Film und vom Umgebungslicht abhängt. Wer genauere Daten zum Verlängerungsfaktor benötigt, der sollte mit den eigenen Filtern und Filmen in entsprechenden Lichtsituationen Belichtungsreihen anfertigen.

Wer sich den Aufwand der Belichtungsreihe sparen möchte und lieber seinen externen Belichtungsmesser durch den Filter die Belichtung messen lässt, der sollte beachten, dass dies nicht immer funktioniert. Die Belichtungsmesser reagieren nicht immer gleich auf unterschiedliche Frequenzen. So kann es dazu führen, dass der Belichtungsmesser Werte anzeigt, die nicht zu einer optimalen Belichtung führen.

Die Belichtungskorrektur beim Einsatz von Filtern kann auf unterschiedliche Arten erfolgen:

  1. Die Verschlusszeit wird mit dem Filterfaktor multipliziert. Bei einem Filterfaktor von 2 wird die Belichtungszeit beispielsweise von 1/50 s auf eine 1/25 s erhöht. Diese Korrektur-Methode funktioniert jedoch nur bei Dauerlicht und nicht wenn ein Blitz eingesetzt wird.
  2. Alternativ zur Verlängerung der Belichtungszeit kann auch die Blende entsprechend korrigiert werden. Dabei ist zu beachten, dass der Filterfaktor zunächst umgerechnet werden muss. Die zu korrigierenden Blendenstufen sind dabei der Logarithmus zur Basis 2, der den Filterfaktor ergibt. Bei der Verdopplung der Belichtungszeit (Filterfaktor 2) muss entsprechend um eine Blendenstufe bei einem Filterfaktor von 4 um 2 Blendenstufen korrigiert korrigiert werden. Da die zu korrigierenden Blendenstufen nicht so leicht im Kopf auszurechnen sind, kann man sich am Besten eine kleine Spickzettel in die Fototasche packt, mit den Blendenkorrekturen für die eingesetzten Filter. Die zu einem Filterfaktor gehörenden Blendenstufen für die Belichtungskorrektur können beispielsweise auf dieser Seite berechnet werden.
  3. Wird mit einem Handbelichtungsmesser gearbeitet kann der ISO-Wert durch den Filterfaktor dividiert werden. Bei einem Filterfaktor von 2 würde ein 100 ISO Film also wie ein 50 ISO Film belichtet.

Nach Möglichkeit sollte Korrektur über die Belichtungszeit vorgenommen werden. Wird die Belichtung von der Kamera per TTL bestimmt, so ist in der Regel keine besondere Korrektur vorzunehmen.

Werden übrigens mehrere Filter gleichzeitig verwendet, so multiplizieren sich die Filterfaktoren.

Wer tiefer in das Thema Farbfilter in der Schwarzweißfotografie einsteigen möchte, dem empfehle ich das eBook “Die Fotofibel – Farbfilter in der analogen Schwarzweiß-Fotografie” von Michael K. Trout. Dieses Buch kann über spuer-sinn.net als PDF bezogen werden.

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